Ein kurzer Gedanke zu Trippen.

Trippen, so das verbreitete Bild, dienten dazu die Schuhe des feinen Bürgertums vor dem Schlamm der mittelalterlichen Straßen zu schützen. Die hohen Stege unter den Holzsohlen, die man sich unter die Schuhe schnallte, sollten selbige eine Hand breit über all den Schmutz und Unrat erheben.

Ich zweifle inzwischen stark an, dass das ihr Zweck ist.

Zum einen waren die Straßen einer Mittelalterlichen Stadt seit dem Hochmittelalter meist in irgendeiner Form befestigt (klassisches Steinpflaster ist zwar vor dem Spätmittelalter selten und nur auf den wichtigsten Straßen und Plätzen der größten Städte anzutreffen, aber Lehmputz, zum Teil mit Schotter abgemagert, sowie „Knüppeldämme“, also Wege aus Holzbohlen, tauchen im archäologischen Fundgut bemerkenswert häufig auf) und damit eben keine knöcheltiefe Schlammgrube.
Zum Anderen war Dreck und Müll in den beengten Verhältnissen mittelalterlicher Städte zwar tatsächlich ein dauerndes Problem, aber bei weitem kein so großes, wie meist dargestellt. (siehe hier: https://inforo1300.wordpress.com/2017/05/10/sauberkeit-im-mittelalter/)

Was mich aber wirklich an der verbreiteten Theorie zweifeln lässt, ist die Tatsache, dass Trippen nicht zuerst beim Adel auftreten, wo es ja am meisten Sinn machen würde, das teure repräsentative Schuhwerk vor der Schlammrutsche zu schützen, in die sich ein ungepflasterter Burghof, auf dem sich regelmäßig Pferde bewegen, bei Regen unweigerlich verwandelt.Stattdessen stammen fast alle erhaltenen Trippen aus dem städtischen Raum. Und das liegt nicht daran, dass es nicht genug Funde von Alltagsgegenständen (auch aus Holz) von Burggrabungen gibt.Ich empfehle hier den Grabungsbericht von der Isenburg.

Wenn in der Stadt und auf dem Land also sowohl schützenswert Teures Schuhwerk als auch gelegentlich modderiger Untergrund (auch in der reichsten Stadt ist nicht jeder Quadratmeter Boden gepflastert) zu finden sind, wo liegt dann der Unterschied?

Im Vorhandensein eines Straßenpflasters!

Wer regelmäßig in wendegnähten Schuhen läuft, der weiß, dass durch die relativ dünnen Sohlen der selbigen Kopfsteinpflaster, Schotter und ähnliches fies wehtun und die Schuhsohlen zudem stark abnutzen.
Meiner Ansicht nach sind Trippen vor allem ein Schutz der Füße gegen das harte Pflaster auf den Straßen mittelalterlicher Städte.
Die Stege dienen wohl weniger dazu, den Schuh über den Strßenschmutz zu erheben, sondern sind schlicht notwendig, um mit den Trippen beim Gehen abrollen zu können (ähnlich, wie man es ja auch von den japanischen Getas kennt).
Wer schonmal Trippen getragen hat, bei denen der vordere Steg zu weit vorne zum Abrollen lag, kann das bestätigen…
Ich würde den bisher verbreiteten Erklärungsversuch aufgrund meiner bisherigen Praxis-Erfahrungen sogar komplett ausschließen, denn die doch recht schmalen Stege unter den meisten erhaltenen Trippen würden in dem Morast, über den sie einen angeblich erheben sollen, einsinken und steckenbleiben und einem damit das Fortkommen doch erheblich erschweren.
Die Tatsache, dass Trippen praktisch in dem Moment weitgehend verschwinden, in dem sich rahmengenähte Schuhe durchsetzen, bei denen die Sohle sehr viel dicker und härter sein kann, unterstützt meiner Ansicht nach diese Theorie.

Ich will nicht abstreiten, dass Trippen bei nassem Untergrund die Schuhe auch trocken halten.
Aber ich bin doch der Ansicht, dass der Schutz vor dem harten Straßenpflaster deutlich überwiegt.

Nartrag: Inzwischen habe ich mehrere Antworten zu diesem Artikel erhalten und möchte diesen in so fern revidieren, dass man sich wohl noch deutlich mehr, als gegen die unangenehme Härte des Straßenpflasters, gegen die Kälte des selbigen schützen wollte. Steinpflaster fühlt sich bei niedrigen Temperaturen bedeutend kälter an, als Erdboden.
Und gerade in besseren Bürgerhäusern hatte das Erdgeschoss einen Stein- oder Fliesenboden.

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