Aufsatz zum Kaufmann im 12. Jh

Ein Aufsatz von Daniel Severin von der Comthurey Alpinum, der meiner Ansicht nach eine perfekte Ergänzung zu meinem Artikel über Einzelhandel bildet.
Ein großes Dankeschön an den Autor für die Erlaubnis, seine Arbeit hier zu posten!
Ich habe in diesem Text versucht – aufgrund meiner vorliegenden Quellen – ein Bild des Kaufmanns gegen Ende des 12. Jahrhunderts zu zeichnen. Die Texte sind teilweise direkt aus den Quellen übernommen oder zwecks der Lesbarkeit zusammengefasst oder umformuliert worden. Der Text ist etwas älter, sollte aber dem aktuellen Wissen noch immer standhalten.
Die kommerzielle Revolution
Zum Ende der Völkerwanderung gab es immer weniger Vorstösse ins Zentrum des christlichen Abendlandes, den Kämpfen folgten friedliche Formen des Austauschs – die sich bereits inmitten der Kämpfe entwickelt hatten – sodass sich die „feindlichen“ Welten als grosse Produktions- und Konsumstätten erwiesen. Vom Norden und vom Orient kamen vor Allem Weizen, Felle und Sklaven, von den Metropolen des Islams Edelmetalle aus Afrika und Asien.
Ab dem 11. Jahrhundert gab es eine Aufschwungphase der Wirtschaft im christlichen Europa, die fahrenden Händler (Fernhandel) entwickelten sich teilweise zu Kaufleuten welche mit verschiedenen Gütern handelten und später auch Geldgeschäfte machten. Im 12. Jahrhundert waren die Kaufleute noch Pioniere, am fortschrittlichsten waren in dieser Zeit vor Allem die Italiener.
Durch den Rückgang der gewaltbedingten Sterblichkeit und der Verbesserung der Ernährungs- und Existenzweisen setzt ein demographischer Aufschwung ein, welcher mehr Arbeitskräfte mit sich bringt. Als die Kreuzzüge begannen war diese militärische Episode nur noch eine epische Fassade, in deren Schatten sich der friedliche Handel intensivierte (was einige Handelsbriefe aus dieser Zeit belegen). Die christlichen und die arabischen Kaufleute hatten gar freundschaftliche Verhältnisse zueinander.
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(Rekonstruktion eines Hochmittelalterlichen Kaufmannskontors in Visby, Gotland, Schweden.)

 

Die Kaufleute und die Städte

Der Fortschritt des Handels war mit der Entwicklung der Städte verbunden; und der Aufschwung der Kaufleute muss im Rahmen der Stadt gesehen werden.
Gravitationszentren waren Italien, Provence, Spanien und Norddeutschland. Sprich einerseits die Italiener und andererseits die frühe Hanse. Dies war einerseits auf dem Festland Lübeck, aber auch die Gotländische Genossenschaft mit Visby als Zentrum ab 1134, die älteste Kaufmannshanse. Die Domkirche St.Marien in Visby wurde Warenlager, Archiv, Treffpunkt und Aufbewahrungsort für die Überschüsse und galt schliesslich als Zentrum des deutschen Kaufmanns auf Gotland. Solche Kaufmannskirchen – die ecclesia mercatorum – wurden Ende des 12., Anfang des 13. Jahrhunderts zu wichtigen Handelsstützpunkten der Kaufleute und waren unerlässlich für den weiteren Ausbau des hansischen Wirtschaftssystems.
Dazu kamen die Handelsgebiete mit Industrie und Produktion, Südost-England, Normandie, Flandern, Champagne, Maas, Niederrhein. Im Nordwesten Europas gab es ein grosses Tuchzentrum, eine regelrechte Industrie. Der Bodenseeraum war bereits im Hochmittelalter bekannt für die Leinenproduktion, in Oberschwaben bildeten sich im 12. und 13. Jahrhundert bedeutende Zentren der deutschen Leinenweberei wie Augsburg, Ulm und Konstanz heraus.
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(Daniel als Kaufmann auf dem Weg über die Alpen.)

 

Der wandernde Kaufmann

Zu dieser Zeit war der mittelalterliche Kaufmann ein wandernder Kaufmann. Gereist wurde über Land- und Wasserstrassen. Die Landstrassen waren generell in gutem Zustand, wenn auch eher holprig (nicht immer wurden die alten gepflasterten Römerstrassen benutzt). Die Pyrenäen und die Alpen waren zwar einfacher zugänglich, das angewachsene Warenvolumen erhöhte aber die Schwierigkeiten im Transport. Je nach Handelsgut benutzte der Kaufmann schwere vierrädrige Wagen, zweirädrige Wagen, sowie Lasttiere (Maultiere und Pferde) mit Packsattel und Seitentaschen.
Probleme der Kaufleute auf ihrer Reise waren Wegelagerer, sowie Grundherren und Stadtväter, die im Diebstahl, respektive der mehr- oder weniger legalen Beschlagnahmung eine willkommene Einkommensquelle fanden. Taxen, Gefälle und Zölle waren vor Allem wegen der territorialen Zersplitterung ein Problem. Zu den Mühen und ungewissen Gefahren kamen die für den Kaufmann festen Kosten hinzu, die den Landtransport stark verteuerten. Für die seltenen und teuren Produkte wie Sklaven, Luxustuche und „Gewürze“ (der Ausdruck für eine Reihe von teuren Waren mit geringem Volumen, die für die Toilette, die Pharmazie, Färberei und Küche gebraucht wurden) betrugen die Transportkosten 20 bis 25 Prozent des ursprünglichen Preises. Bei den schweren und voluminösen Waren, Weizen, Wein und Salz, beliefen sich die Transportkosten auf 100 bis 150 Prozent und mehr des ursprünglichen Preises.
Flusswege waren dazumal der Po in Mittelitalien, die Rhône-Strasse, die Mosel und die Maas. Zudem noch flämische Flüsse, der Rhein und die Donau. Probleme bei den Seewegen (welche zu dieser Zeit meist noch der Küste entlang liefen) waren Schiffbruch und Seeräuberei. Durch die Chroniken des Missionars Heinrich von Lettland ist das Transportvolumen dieser Koggen überliefert: 200 bis 300 Kreuzzugsteilnehmer oder 150 Tonnen Getreide für die Versorgung einer durch Krieg ausgehungerten Stadt, wie z.B. Riga im Jahre 1206. Die grossen Handelsschiffe (Koggen, aber auch die italienischen) konnten später bis zu 500 Tonnen laden.
Im 15. Jahrhundert brauchte man ca. zwei Jahre für den Weg Alexandria – Venedig – London – Alexandria – Venedig. Dies scheint aber sehr lange ich nehme an dieser Kaufmann machte längere Aufenthalte um Handel zu treiben. Normalerweise rechnete man im Hochmittelalter von Mittelitalien nach Akkon nur mit ca 5 Tagen. Die Transportkosten für den Wassertransport waren im Hochmittelalter viel günstiger, wie die des Landwegs. Sie betrugen 2 Prozent bei Wolle und Seide, 15 Prozent bei Weizen und 33 Prozent bei Alaun.
Das bedeutendste Gewürzlager ist Fanagusta auf Zypern. Aus der Mongolei kamen Weizen, Felle, Wachs, gesalzener Fisch, Seide und vor Allem Sklaven. Ein hauptsächliches Handelsgut im Norden war Salz (Lüneburger Salinen im 12. Jahrhundert) Im Norden (Nowgorod, Russland und Visby, Gotland) wurde weiter vor allem Pelzwerk, Wachs, Teer, Asche, Honig, Holz, Pech und Leder gehandelt. Im Gegenzug brachten die Kaufleute aus Mittel- und Südeuropa dort in erster Linie Heringe, Salz, Wein, Bier, Wolle, Tuche und später auch Metallwaren zum Verkauf. Zudem auch Produkte des Orients, vorrangig Luxuswaren wie Gewürze, feine Tuche, Seidenstoffe u.a., die sonst fast ausschliesslich über die italienischen Seestädte nach West- und Mitteleuropa importiert wurden.
Im 13. Jahrhundert waren die Messen in Frankreich (Champagne) berühmt. Die Kaufleute blieben meist lange vor Ort und nahmen daher auch lange Reisen auf sich um in die Champagne zu gelangen. Die Reisezeit der Italiener in die Champagne betrug ca. 5 Wochen. Geleitbriefe und Verträge vereinfachten das Reisen um vieles. Einige Kaufleute schützten sich vor unrechtmässigen Zöllen und ähnlichem durch Handelsprivilegien. Diese waren für die Fernkaufleute ein wichtiges Sonderrecht, da sie in fremden Herrschaftsbereichen den Schutz der Person und der Waren oder z.B. Zollfreiheit u.ä. garantierten. Solche Privilegien wurden häufig entweder erkauft oder erzwungen.
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(Handelsvertrag vom 17. November 1186 in einem Kaufmannsbuch aus Genua (auf Papier!). Michael de Portovenere bestätigt eine bestimmte Menge Barchent von Zoazo de Milano.)

 

Verträge und Sozietäten

In einer Sozietät sind zwei oder mehrere Sozien (Teilhaber) zur gemeinsamen Berufsausübung zusammengeschlossen. Der Begriff stammt vom lateinischen „societas“ und bedeutet Gesellschaft. In Genua hiess der Vertrag „commenda“-Vertrag, in Venedig hiess es „collegantia“. Die Vertragspartner waren Teilhaber, Kreditnehmer und Kreditgeber. Risiko und Profit wurde geteilt. Ein Gesellschafter streckte dem wandernden Kaufmann das Geld für die Reise vor. Bei Verlust trug der Kreditgeber die ganze finanzielle Last, während der wandernde Kaufmann nur den Wert seiner Arbeit verlor. Bei Gewinn wurde dem Kreditgeber das Geld zurückgezahlt, plus einem Teil des Gewinns. meistens drei Viertel. Also Kreditgeber/Gesellschafter zwei Drittel des Kapitals, der der die Reise unternahm ein Drittel plus den Wert seiner Arbeit.
In einer Abschrift eines italienischen Vertrages von 1163, ist die Teilung mit 2/3 zu 1/3 angegeben: “Zeugen: Simone Bucoccio, Ogerio, Peloso, Pibaldi di Sanro und Genonardo Tosca. Stabile und Ansaldo Garration haben eine Societas gegründet, in die Stabile, nach eigener Aussage, 88 Lire eingebracht hat, und Ansaldo 44 Lire. Ansaldo nimmt dieses Kapital nach Tunis, um es zinsbringend anzulegen oder überall dorthin, wo das Schiff, das er benutzen sollte, nämlich das Schiff von Balizzone Grasso und Grasso. Bei seiner Rückkehr wird er die Gewinne zum Zwecke der Teilung Stabile oder seinem Vertreter übergeben. Nach Abzug des Kapitals werden sie die Gewinne zur Hälfte teilen. Angefertigt im Kapitelhaus am 29. September 1163. Darüber hinaus ermächtigt Stabile Ansaldo, das Geld nach Genua zu schicken, und zwar mit einem von letzterem selbst bestimmten Schiff.”
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(Hochmittelalterlicher Kaufmanns-Stand der Comthurey Alpinum in Thun.)

 

Der Kaufmann und die Kirche

In einem Satz aus einem Lehrbuch des Gratian aus dem 12. Jahrhundert ist zu lesen: „Homo mercator nunquam aut vix potest deo placere.“ („der Kaufmann kann Gott nicht gefallen oder nur mit Mühe.“) und Papst Leo sagte: „Es ist schwer von Sünde frei zu bleiben wenn man von Berufswegen kauft und verkauft.“ Dies waren aber eher kurzfristige Meinungen die nicht wirklich griffen. Schon Ende des 12. Jahrhundert werden Kreditgeschäfte ausdrücklich von der Kirche erlaubt (Dekret Papst Alexander III, 1105–1181). Beim 22. Lateralkonzil von 1179 zur Regelung des Gottesfriedens wird die Sicherheit für „Priester, Mönche, Kleriker, Laienbrüder, Pilger, Kaufleute, Bauern und Lasttiere“ gefordert.
Es geht auch aus einigen Quellen hervor dass die Kaufleute sich in all ihrem Handeln auf Gott beriefen. Die Handelsbücher beginnen alle mit: “Im Namen unseres Herrn Jesus Christus und der heiligen Jungfrau Maria seiner Mutter und aller Heiliger des Paradieses, durch ihre heilige Gnade und Barmherzigkeit sei uns Gesundheit und Gewinn gegeben, sowohl auf dem Lande wie zur See, und dank dem seelischen und körperlichen Heil mögen sich unsere Reichtümer und unsere Kinder vermehren. Amen.” Papst Innozenz III (1160–1216) sprach 1197 den Kaufmann aus Cremona, Homobonus, heilig. Er gab Ende seines Lebens den Reichtum auf und wurde Mönch. Gleiches galt auch für Godric de Finchale zu beginn des 12. Jahrhundert.
Es ist nicht verwunderlich, dass die Kirche ihre Einstellung gegenüber den Kaufleuten zu einer Zeit änderte, als sie sich von der Feudalgesellschaft freizumachen suchte. In ihrem Kampf gegen den Einfluss des Feudalismus auf die Kirche musste die gregorianische Reform ihre Verbündete in der Welt des Geldes, des Handels und bei den Kaufleuten, also den neuen Mächten finden. Gewiss waren den Klerikern wucherische Praktiken ausdrücklich untersagt, aber ebenso wie die Klöster im Frühmittelalter eine Rolle als Kredithäuser hatten spielen können, so betätigten sich die Äbte und Bischöfe, die über ausreichend Kapitalien verfügten, auch trotz der Verbote als Geldgeber und Wucherer. Da sie oft toleriert wurden, trieben sie manchmal ihren Handel vor aller Augen. Die Kirche selbst, die vor allem Reich an Grundbesitz war, geriet auch in die Krise des Feudalismus und der ländlichen Wirtschaft. So musste sie teilweise auch den weltlichen Kräften die Hauptrolle im Aufschwung des Kapitalismus überlassen. Trotzdem wurde zum Beispiel der Templer-Orden im 13. Jahrhundert zu einer der grössten Banken der christlichen Welt.
Die kulturelle Rolle des Kaufmanns
Im Frühmittelalter hatte die Kirche fast ausschliesslich das kulturelle Monopol. Im Hochmittelalter jedoch, mit dem Beginn der kommerziellen Revolution und der Entwicklung der Städte, änderte sich diese Situation. So stark auch die religiösen Interessen und die kirchlichen Einflüsse blieben, die alten und neuen Sozialgruppen hatten andere Sorgen. Sie dürsteten nach praktischen und theoretischen Kenntnissen, die nicht religiös gefärbt waren und schufen daher eigene Wissensinstrumente und eigene Ausdrucksweisen. Der Kaufmann spielte in dieser Entwicklung der weltlichen Kultur eine wichtige Rolle. Für seine Geschäfte brauchte er technische Kenntnisse. Von seiner Mentalität her zielte er auf das Nützliche, das Konkrete und Rationelle ab. Dank seinem Geld und seiner sozialen und politischen Macht vermochte er seine Bedürfnisse zu befriedigen und seine Pläne zu verwirklichen.
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(Rekonstruktion eines Hochmittelalterlichen Kaufmannskontors in Visby, Gotland, Schweden.)

 

Schulbildung

Es lässt sich vermuten, eine bessere Kenntnis der Schulbedingungen würde den Vorsprung gewisser Gegenden hinsichtlich der Organisation des Handels erklären. Das heisst dass die Bürger – also im wesentlichen die Kaufleute – schon recht früh das Recht erwarben, Schulen zu gründen, und auch Gebrauch davon machten. Gemeindeschulen gab es bereits 1179 in Gent. Die gegen den harten Widerstand der Kirche eroberte Unterrichtsfreiheit wurde 1191 feierlich durch Gräfin Mathilde und Baudouin IX anerkannt (Flandern). Die Universitätsausbildung war aber noch fest in Kirchlicher Hand, die Grundschulen mussten sie aber bald aufgeben. Später, 1253 war es bereits jedem erlaubt, eine Grundschule zu gründen (praktisch im ganzen Stauferreich, es sind auch Schulgründungen aus Zentraleuropa überliefert, nicht nur in Flandern). In den „parvae scolae“ oder „scolae minores“ empfingen die Kinder des Handelsbürgertums die unentbehrlichen Grundkenntnisse für ihren zukünftigen Beruf.
Der Einfluss der Kaufmannsklasse auf die Schulbildung machte sich vor allem in vier Bereichen bemerkbar: im Schreiben und Rechnen, in der Geographie und den modernen Sprachen.
Das heisst, ein Kaufmann im 12. Jahrhundert konnte Schreiben (Kanzleischrift und eine minuziöse Notarschrift) und Lesen. Es war schon sehr früh ein Bedürfnis alles aufzuschreiben und zwar sofort und richtig, so lautete die goldene Regel. Ebenfalls konnten sie Rechnen (Hilfsmittel war der Abakus und ein Schachbrett). Ab dem 13. Jahrhundert gab es bereits Lehrbücher über Arithmetik und Geometrie (Fibonacci 1202, er führte die Arabischen Zahlen und die 0 ein). Ebenfalls war die Geografie entscheidend für die Reisen. Es gab viele wissenschaftliche Abhandlungen, Reiseberichte und eine bereits sehr fortschrittliche Kartografie. Weiter waren die Volkssprachen sehr wichtig um sich mit den Kunden zu verständigen. Gemeinhin im Hochmittelalter Französisch (Märkte in der Champagne), später dann Italienisch. Schon sehr früh bediente man sich der Volkssprache um die Kontobücher zu führen. Obwohl es in den grössten Handelszentren Dolmetscher gab, wurden für den Kaufmann Wörterbücher zusammengestellt, wie zum Beispiel ein arabisch-lateinischer Glossar und ein dreisprachiges Wörterbuch in Latein, Persisch und Kuman (eine türkische Sprache). Im hansischen Bereich gewann Niederdeutsch die Oberhand. Daraus lässt sich schliessen, dass ein durchschnittlicher Kaufmann gegen Ende des 12. Jahrhundert neben seiner Volkssprache auch Latein beherrschte, sowie Französisch und allenfalls Niederdeutsch. Ebenfalls kamen noch andere Sprachen dazu, je nachdem wo die Handelstätigkeit war. Der erste Kontoauszug in italienisch ist von 1211 (Siena).
Ein fester Bestandteil der Schulbildung war auch Geschichte, welche die Kaufleute speziell interessierte. Die Kenntnis der Geschichte diente nicht nur dazu ihre Stadt und ihre Rolle darin zu rühmen, sondern auch dazu, die Ereignisse die ihren Lebensradius bestimmten und an denen sie aktiv teilnahmen, einzuordnen und zu verstehen.
Reisten die Kaufleute bewaffnet?
Eine Frage die sich oft stellt ist, ob Kaufleute bewaffnet reisten. Wenn man die oben genannten Gefahren analysiert, sprich vor Allem die Wegelagerei auf den Landstrassen, liegt es nahe dass sich die Kaufleute im Früh- bis Hochmittelalter bewaffneten oder auch bewaffnete Leute in ihrem Tross mitführten. Dazu gibt es verschiedene Quellen von Städten, welche gegen Entgelt oder gemäss Kaiserlichem Dekret Geleitschutz gewährten. Kaiser Friedrich I. (1122–90) bestätigte am Landfrieden vom Juli 1152 den Kaufleuten das Recht, Schwert und Schild zu führen.: “Ein Kaufmann, der in Geschäften über Land reist, soll sein Schwert an seinen Sattel binden oder auf seinen Wagen legen, damit er nicht etwa einen Unschuldigen verletzt, sich aber vor Räubern schützen kann.” (was auch etwas zur Waffenfähigkeit der Kaufleute aussagt…) Ebenfalls ist im Lesebuch zur deutschen Geschichte die Rede vom Kaufmann, der vom “bewaffneten merchant-adventurer” zum sesshaften Kaufmann mit Kontor wird. Die Handelsschiffe der Hanse waren meist keine Kriegsschiffe, reisten aber fast ausschliesslich bewaffnet um Angriffe von Seeräubern abzuwehren. Die Verteidigungsfähigkeit dieser Schiffe scheint nicht unwesentlich gewesen zu sein. 1215 wurde im Hafen der Insel Ösel eine Flotte von nur neun Koggen von angeblich 200 estnischen Schiffen vergeblich angegriffen. Manchmal waren aber auch die Kaufleute selbst die Aggressoren, der erste grössere Livlandkreuzzug (1198) wurde nicht nur von den Kaufleuten organisiert, sie nahmen auch direkt am Kampfgeschehen teil.
Daniel Severin Comthurey Alpinum Oktober 2010
Quellen:
Jaques le Geoff, „Kaufleute und Bankiers im Mittelalter“, 1989. Fischer Taschenbuchverlag ISBN 3-596-27409-5
Theiss Verlag: von „Damals“, dem Magazin für Geschichte und Kultur „Fernhandel in Antike und Mittelalter“, 2008, ISBN 978-3-8062-2148-0 Kaufleute im Mittelalter, Mittelalter-Wiki. http://u0028844496.user.hosting-agency.de/…
Das Mittelalter: ein Lesebuch zur deutschen Geschichte 800–1500
Priester-Kaufleute_Ritterheere_kapi-4.pdf http://docserver.bis.uni-oldenburg.de/…
“Die Geschichte des Leinens” Studienarbeit von Heidemarie Klausner, 2002 http://members.inode.at/k.polanz/di…
Der Landfriede Kaiser Friedrich Brabraossas Juli/August 1152 http://user.cs.tu-berlin.de/~ohherd… (Studienarbeit) http://www.jura.uni-passau.de/650.h… (Übersetzung)

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