Schwarzfärben im Mittelalter

Schwarz. Eine Farbe, über die in der Szene oft und gerne gestritten wird.
 
Manche sagen, sie konnte im Mittelalter überhaupt nicht gefärbt werden und alles, was in Text- und Bildquellen als Schwarz wiedergegeben wird, war eigentlich sehr dunkelbraun.
Andere sagen, Schwarz war machbar aber lächerlich teuer. Eine Farbe der Könige.
Andere sagen, Schwarz war eine sehr billige Farbe und nennen Mönchsorden als Beispiel, die Schwarz als Zeichen der Einfachheit und Armut trugen.
Die meisten sind sich einig, dass Schwarz während eines Großteils des Mittelalters nicht besonders modisch war, mit Ausnahme von bestimmten Gruppen (manche Mönchsorden) oder bestimmten Verwendungszwecken (schwarze Beinlinge im 13ten Jahrhundert).
 
Aber welche Aussage zur Machbarkeit und Finanzierbarkeit von schwarzer Färbung bei Stoffen stimmt jetzt?
Antwort: Alle.
 
Schwarz ist nicht gleich Schwarz. Es gab verschiedene Techniken zur Schwarzfärbung, mit unterschieldichem Aufwand und unterschiedlichen Ergebnissen.
Die drei Wichtigsten will ich hier einmal kurz beschreiben:
 
Koptisches Schwarz.
Eine der ältesten Methoden der Schwarzfärbung. Wolle, die von Natur aus eine dunkle Farbe hat, wird so lange mit Waid oder Indigo überfärbt, bis eine tiefschwarze Farbe entsteht.
Da hierfür mehrere Färbegänge erforderlich sind und Schafe im Verlauf des Mittelalters mehr und mehr dazu gezüchtet wurden, nur noch weiße Wolle zu haben, ist diese Methode recht teuer und wurde mit der Zeit immer teurer.
 
Überfärben mit Eisensalzen.
Mit einer Beize aus Tannin (gewonnen aus Galläpfeln) lässt sich mit Eisenvitriol oder anderen Eisensalzen ein Grau bis Anthrazit färben. Färbt man aber einen schon dunkel gefärbten Stoff damit über, bekommt man ein kräftiges, stabiles Schwarz. Die besten Ergebnisse erzielt man mit einer Waidblauen oder Walnussbraunen Grundfärbung. Ab dem Spätmittelalter sind Schwarzfärber belegt, die alte, fleckige und/oder verblichene Stoffe mit Eisensalzen schwarz überfärbten, um sie wieder zu verkaufen.
Ähnlich wie die aus den selben Rohstoffen bestehende Eisengallustinte greift diese Färbung jedoch das gefärbte Material an. Die Auswirkungen werden zwar oft übertrieben dargestellt (der Stoff löst sich weder innerhalb von ein paar Jahren oder gar Monaten auf, wie ich schon im Brustton der Überzeugung erzählt bekam, noch lässt sich das Gewebe plötzlich ohne jede Kraftanstrengung zerreißen), aber ein so gefärbtes Gewebe wird definitiv rauer, spröder und weniger reißfest als vorher.
Es handelt sich hier um eine vergleichsweise günstige Färbung (insbesondere, wenn kein neuer Stoff auf schwarz gefärbt, sondern ein alter überfärbt wird), die aber auch einen qualitativ minderwertigen Stoff produziert.
 
Flämisches Schwarz.
Die hochwertigste, aber auch teuerste Schwarzfärbung erzeugt Schwarz auf optische Art, also durch die Kombination der drei Grundfarben.
Im Gegensatz zu Licht, dass bei der mischung von Gelb, Rot und Blau weiß wird, funktionieren Farben bei Oberflächen, indem sie nur bestimmte Wellenlängen des Lichts reflektieren und andere nicht. Wenn ich hier also alle drei Grundfarben kombiniere, wird überhaupt kein Licht mehr reflektiert und die Oberfläche sieht schwarz aus.
Eine kräftige Dreifachfärbung aus Reseda (gelb), Waid (blau) und Krapp (rot) erzeugt ein sattes, tiefes Schwarz, dass licht- und reibungsecht ist, ohne den Stoff anzugreifen.
Dafür ist es aber eben eine kräftige Dreifachfärbung und entsprechend teuer.
Diese Technik ist nachweisbar ab dem Hochmittelalter.
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