Akkurate Zusammenfassung des vierten Kreuzzugs 1204

 

In Venedig geht eine Bestellung ein: Die hohen Herren Europas wollen mal wieder versuchen, den Muslimen Jerusalem zu entreißen. Sie geben eine Flotte in Auftrag, die groß genug ist, um all die Kreuzfahrer ins heilige Land zu transportieren, die sich für das Unternehmen angemeldet haben.

Ein paar Monate später:

Nicht einmal die Hälfte der angekündigten Teilnehmer taucht tatsächlich in der Lagunenstadt auf. Zu wenige, um den versprochenen Preis für die Flotte bezahlen zu können. Die Venezianer sind „not amused“ und einige kehren dem Kreuzzug an dieser Stelle bereits den Rücken.

Der Rest wird von der Stadt genötigt, die Schulden als Söldner abzuarbeiten, und so doch noch nach Jerusalem zu kommen.
Der Papst ist noch viel weniger amused, dass seine heilige Armee zur Rückeroberung des heiligen Landes jetzt christliche Städte belagert und zerstört, die Handelskonkurrenten Venedigs sind, und droht dem gesamten Kreuzzugsheer mit der Exkommunikation. Die Schulden der Kreuzfahrer bei den Venezianern will er aber auch nicht übernehmen…

Schnitt nach Konstantinopel:

In der Hauptstadt des byzantinischen Reiches gibt es wieder einmal Streit um die Thronfolge. Der Verlierer muss die Stadt und das Reich verlassen und trifft auf dem Weg ins Exil auf die Kreuzfahrer. Eine perfekte Chance witternd, macht er ihnen ein Angebot: Helft mir, meinen Thron zurückzubekommen und ich zahle eure Schulden und stelle euch außerdem noch Soldaten und Kriegsmaschinen für euren Kreuzzug zur Verfügung.

Die Kreuzfahrer sind nicht begeistert, aber an diesem Punkt so Verzweifelt auf der Suche nach einem Weg, ihr Gelübde doch noch zu erfüllen, dass sie das Angebot schließlich doch annehmen. Venedig ist begeistert und unterstützt das Unternehmen mit Schiffen und Männern, gegen das Versprechen auf Handelsprivilegien.

Nach harter Belagerung stürmen die Kreuzfahrer schließlich Konstantinopel und nachdem sie ihren Auftraggeber auf den Thron gesetzt haben, teilt dieser ihnen mit, dass er weder willens, noch imstande ist, sie zu bezahlen…

An dieser Stelle passiert das, was durch die gesamte Geschichte IMMER passiert ist, wenn ein Heerführer auf die brilliante Idee kam, Söldnern nach getaner Arbeit ihren Lohn zu verweigern.

Nachdem das Plündern und Morden aufgehört hat, stehen Konstantinopel und ein großer Teil des byzantinischen Gebietes in Griechenland unter der Herrschaft der Kreuzfahrer.
Venedig lacht sich derweil ins Fäustchen und sichert sich die wichtigsten Häfen entlang der griechischen Küste.

 

Das „lateinisches Kaiserreich“ sollte zwar 6 Jahrzehnte später wieder von den Byzantinern zurückerobert werden, aber wirklich erholen würde sich Byzanz von diesem Schlag nicht mehr, bis es schließlich 200 Jahre später von den Osmanen erobert wurde. Diesmal endgültig.

Und wie bewertet die Nachwelt den 4. Kreuzzug?
Als ein hochkomplexes Ereignis, in dem die Entscheidungsträger *jeder* Seite ein gewisses Maß an Schuld auf sich geladen haben, bis die Situation schließlich völlig außer Kontrolle geriet mit schrecklichen Folgen für die Einwohner von Konstantinopel?

Nope. Grautöne sind was für Weicheier!

Stattdessen wird der 4. Kreuzzug in bester schwarz/weiß-Zeichnung als Paradebeispiel für die abgrundtiefe Boshaftigkeit der Katholiken verwendet, die in den Kreuzzügen nicht nur aus schierem religiösen Hass Muslime umbrachten, sondern auch das christliche Konstantinopel plünderten, weil dessen Bewohner zwar Christen aber eben nicht katholisch waren und weil sie sich bereichern wollten.

Dass das mit der komplizierten Wirklichkeit nicht viel zu tun hat, scheint niemanden zu stören. Hauptsache, man hat eine simple Erzählung mit einer guten und einer bösen Seite und einer Moral von der Geschicht‘, die bequem in die eigene Weltanschauung passt…

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