Vom Handel und von unpassender Ausrüstung

„Es gibt da vielleicht aus meiner Region keinen Beleg für, aber die haben doch damals auch Handel getrieben!“

Dass man Handel mit einer Region betreibt, bedeutet nicht automatisch, dass man die Kleidung oder andere kulturelle Eigenarten dieser Region übernimmt.
Das tun wir heute noch nicht mit jedem Land der Welt, mit dem wir handeln…

Zudem würden sich Dinge, die in wirklich großen Mengen importiert wurden, mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ebenfalls in den Quellen finden.
Ist ja nicht so, als gäbe es keine Funde von oder andere Quellen für Fernhandelsgüter…

Es gab zudem durchaus auch in der Vergangenheit schon Moden und in einer Zeit, in der der Einzelne viel stärker auf das Wohlwollen seiner Nachbarn und Verwandten angewiesen war als heute, war der Druck, sich diesen Moden anzupassen, auch sehr viel stärker als heute.

Was nun die Mode zu einer Bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort war, darauf können uns nur die Quellen Auskunft geben.
Natürlich ist diese Auskunft nicht vollständig, aber sie ist leider nunmal alles, was wir haben!

Ist es möglich, ja sogar wahrscheinlich, dass es zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort Kleidermoden gab, die nicht in den Quellen auftauchen?
Absolut!

Aber so lange diese Moden nicht in den Quellen auftauchen, haben wir keine Ahnung, wie jene aussahen und müssten daher wild spekulieren.

Und da laut Ockhams Rasiermesser die Gesamtmenge an Spekulationen und Vermutungen immer so Gering wie möglich gehalten werden sollte, besteht das wissenschaftlich korrekte Vorgehen darin, sich auf das zu beschränken, was die Quellen hergeben.

Also nein, „Handel“ ist kein pauschales Totschlagargument, um in der historischen Darstellung Dinge zu verwenden, für die es keine Belege gibt.