Von Meinungen und Tatsachen

Wenn man Falschaussagen und haltlosen Behauptungen über wissenschaftliche Themen widerspricht, bekommt man sehr oft als Antwort irgendeine Variation des Folgenden zu hören:
„Das ist halt meine Meinung! Du hast deine Meinung, ich habe meine! Wir haben hier immernoch Meinungsfreiheit!“

Das Problem an diesem „Argument“ ist, dass Wissenschaft sich nicht mit „Meinungen“ befasst, sondern mit „Tatsachen“.

Was ist der Unterschied zwischen diesen beiden?

Ich will versuchen, es mithilfe von Beispielen zu erklären:
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Eine Meinung ist etwas, das von Natur aus weder richtig noch falsch sein kann, da es rein von der subjektiven Betrachtungsweise jedes Einzelnen abhängt.

Eine Tatsache hingegen ist etwas, was objektiv (unabhängig von persönlichen Blickwinkeln) entweder richtig oder falsch ist.

„Starwars Episode VII bis IX sind genauso gut, wie die 6 Filme davor.“ ist eine Meinungsäußerung.

„Starwars ist eine Fernsehserie über die Abenteuer des Raumschiffes Enterprise unter dem Befehl von Captain James T. Kirk.“ ist hingegen eine (nachweislich falsche) Tatsachenbehauptung.

Eine Tatsachenbehauptung wird auch dann nicht plötzlich zu einer Frage der Meinung, wenn bislang noch nicht festgestellt wurde (oder sogar im Moment garnicht sicher festgestellt werden KANN), ob die getroffene Aussage jetzt richtig oder falsch ist.
Ausschlaggebend ist nur, dass die Aussage nur entweder richtig oder falsch sein kann und das unabhängig von subjektiven Betrachtungswinkeln.

Die Aussage „Im Kühlschrank sind noch 3 Flaschen Bier.“ ist keine Meinungsäußerung, sondern eine Tatsachenbehauptung.
Auch wenn weder derjenige, der diese Aussage tätigt, noch derjenige, der sie hinterfragt, im Kühlschrank nachgesehen und damit einen eindeutigen Nachweis erbracht haben, ob wirklich 3 Flaschen Bier im Kühlschrank sind.
Selbst, wenn beide gerade garnicht zuhause sind, sondern im Auto sitzen und darüber diksutieren ob und wieviel Bier noch im Kühlschrank ist, also im Moment überhaupt nicht in der Lage sind, einen eindeutigen Nachweis zu erbringen.

Auch dann unterscheidet sich die Anzahl der Bierflaschen im Kühlschrank nicht je nachdem, wer im Kühlschrank nachschaut oder Aussagen über die Anzahl an Bierflaschen im Kühlschrank trifft.
Es bleibt immer die selbe Anzahl und die Aussage „Es sind noch 3 Flaschen Bier im Kühlschrank.“ ist objektiv entweder richtig oder falsch… und somit keine Meinungsäußerung, sondern eine Tatsachenbehauptung.
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Aus diesem Grund ist „Das ist halt meine Meinung!“ oder der Verweis auf die Meinungsfreiheit keine Verteidigung gegen Kritik an und Widerspruch gegen unwahre oder haltlose Tatsachenbehauptungen.

Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung.

Aber niemand hat das Recht auf eigene Tatsachen.

3 Gedanken zu “Von Meinungen und Tatsachen

  1. „Vor 500 Jahren ging die Menschheit davon aus, dass die Erde eine Scheibe wäre.“

    Nein, ging sie nicht. 😉

    https://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/mittelalter-und-moderne-wie-die-erde-zur-scheibe-wurde-a-381627.html

    Wissenschaft kann keine zu 100% sicheren Antworten geben. Das ist auch garnicht ihre Aufgabe.

    Aber Wissenschaft kann ermitteln, welche Antwort auf eine Frage nach Auswertung der momentan verfügbaren Daten mit Abstand am wahrscheinlichsten ist.

    Diese wahrscheinlichste Antwort ist so lange die wissenschaftlich „richtige“, bis es jemandem gelingt, zu beweisen, dass eine andere Antwort die vorliegenden Daten besser erklärt und damit wahrscheinlicher ist.

    Dieses Ermitteln der „wahrscheinlichsten Antwort“ basiert im Gegensatz zu Meinungen eben nicht auf subjektiven Gefühlen und Empfindungen, sondern auf möglichst objektiven Fakten (Ja, komplett objektiv kann niemand sein, aber es ist dennoch das angestrebte Ideal. Aus diesem Grund kontrollieren sich Wissenschaftler auch im Peer Review gegenseitig.)

    Hier mehr dazu:
    https://inforo1300.wordpress.com/2017/10/28/die-wissenschaftliche-methode-das-unbekannte-wesen/

    Würde sich die zugegeben sehr abwegige These, dass „Corona eine Erfindung von Bill Gates sei“, im Nachhinein als wahr herausstellen, hätten die Coronaschwurbler heute immernoch keine Meinung geäußert, sondern Tatsachenbehauptungen aufgestellt, die zu ihrer Zeit nicht belegbar, damit lächerlich unwahrscheinlich und wissenschaftlich „falsch“ waren. Sie hätten nur aus reinem Zufall richtig geraten.

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  2. Auch „Tatsachen“ können sich durch neue Erkenntnisse als unzutreffend erweisen. Vor 500 Jahren ging die Menschheit davon aus, dass die Erde eine Scheibe wäre. Das konnte jeder sehen, und von einer Kugel würde man ja „runterfallen“. War jetzt die damals neue These von einer runden Erde Meinungsäußerung oder Tatsachenbehauptung? Würde sich die zugegeben sehr abwegige These, dass „Corona eine Erfindung von Bill Gates sei“, im Nachhinein als wahr herausstellen, würden dann „Corona-Leugner“ heute Tatsachen behaupten oder ihre Meinung äußern?

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