„Im Namen das Vaterland und die Tochter“ – Von schlechtem Latein und der Gültigkeit von Sakramenten.

Salzburg, 8tes Jahrhundert nach Christus:

Bischof Virgil empfängt einen völlig aufgelösten Vikar, der von der Visitation (einem regelmäßigen Kontrollbesuch durch den Bischof selbst oder, häufiger, einen Vertreter) in einer der Pfarren des Bistums zurückkommt.

Dort hatte der Mann eine erschreckende Feststellung machen müssen… Der örtliche Priester, der offenkundig des Lateinischen nur sehr unzureichend mächtig war, hatte die letzten Jahrzehnte über jedes einzelne Sakrament, jede Taufe, jede Kommunion, jede Absolution, jedes Sterbesakrament… mit der falschen Formel gesprochen!

Anstatt der korrekten Formel „in nomine patris et filii et spiritus sancti“ („im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“) hatte dieser Priester jedes Mal „in nomine patria et filia et spiritus sancti“ („im Namen das Vaterland und die Tochter und des heiligen Geistes“) gesagt!

Damit sind die Sakramente nicht gültig!

Der Vikar ist außer sich.

Jede einzelne Taufe und alle anderen Sakramente, die in der Amtszeit dieses Priesters in dieser Pfarre gespendet wurden, müssen wiederholt werden!

Und was ist mit denen, die inzwischen verstorben sind, ohne je die Sakramente empfangen zu haben?

Schmoren die jetzt alle durch den Fehler des Priesters in der Hölle?

Der ebenfalls anwesende päpstliche Legat Bonifatius (Ja, genau der, der heute vor Allem durch die Mission bei den heidnsichen Sachsen bekannt ist) stimmt dem Vikar zu:

Alle Taufen und sonstigen Sakramente müssen, sofern möglich, schnellstmöglich korrekt nachgeholt werden. Wie es um die inzwischen Verstorbenen bestellt ist und was man in ihrem Fall eventuell noch tun kann, muss schnellstmöglich geklärt und entschieden werden.

Bischof Virgil jedoch sieht die Dinge entspannter.

Er argumentiert, dass die Sakramente in aufrichtiger und frommer Absicht gespendet wurden und Gott über einen Sprachfehler hinwegzusehen bereit ist.

Vor Allem aber würde Gott keinen unschuldigen Menschen seinen Segen und seine Gnade entziehen, bloß weil jemand anderes kein gutes Latein spricht.

Virgil und Bonifatius schreiben beide nach Rom und legen dort ihre Sicht der Dinge dar.

Der Papst stimmt Virgils Position zu:

Die korrekte Aussprache der für die Sakramente vorgeschriebenen Formeln ist wichtig, aber in diesem Fall ist die Absicht, mit der sie gespendet wurden, entscheidender.

Die Sakramente sind trotz der falschen Formel gültig.

Das Unheil in der Pfarre ist dadurch abgewendet, aber zwischen Virgil und Bonifazius (der ohnehin schon einen Groll gegen Virgil gehegt hatte, weil er der Ansicht war, dass ER zum Bischof hätte ernannt werden sollen) entbrannte ein heftiger und lang andauernder Konflikt.

Bonifatius sollte in der Folgezeit mehrfach versuchen, Virgil in Rom der Ketzerei zu bezichtigen. Jedes Mal erfolglos.

.

Warum erzähle ich euch heute diese Geschichte?

(Abgesehen davon, dass sie interessant und ein Bisschen lustig ist)

Nun, Geschichte mag sich vielleicht nicht wiederholen… aber manchmal reimt sie sich. 😃

https://www.katholisch.de/artikel/32981-wegen-falscher-formel-tausende-taufen-ungueltig

Werbung

2 Gedanken zu “„Im Namen das Vaterland und die Tochter“ – Von schlechtem Latein und der Gültigkeit von Sakramenten.

  1. Moment: Falsche Aussprache (wie in dem Fall aus dem Mittelalter) ist etwas anderes als eine Taufformel mit anderem Sinn („wir taufen dich“ wie in dem Fall aus den USA). Der mittelalterliche Priester *wollte* ja „im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ sagen. *Deswegen* dürfte die eine Taufe gültig, die andere ungültig sein.

    In den Himmel würden die Leute bei einer ungültigen Taufe freilich normalerweise auch kommen; Stichwort Begierdetaufe (der Wille zählt fürs Werk). Schon in der Antike ging man davon aus, dass Katechumenen, die sterben, bevor sie getauft werden, in den Himmel kommen. Die Taufe ist deshalb so wichtig, weil Gott sie als Mittel eingesetzt hat, um uns die Erlösung zuzuwenden, und wir dem Befehl Gottes folgen, nicht aus sich heraus. (Deswegen können ja auch Leute, die nicht von der Taufe wissen, aber grundsätzlich Gott gehorchen und das Gute tun wollen, durch eine *implizite* Begierdetaufe in den Himmel kommen.)

    Papst Innozenz II. schreibt in einem Brief an den Bischof von Cremona über die Begierdetaufe:

    „Der Priester, von dem Du berichtet hast, daß er ohne das Wasser der Taufe den letzten Tag beschlossen habe, ist, so behaupten Wir ohne Zögern, da er im Glauben der heiligen Mutter Kirche und im Bekenntnis des Namens Christi verharrte, von der Ursünde erlöst und hat die Freude der himmlischen Heimat erlangt. Lies außerdem das achte Buch Augustins De civitate Dei, wo man unter anderem liest: »Die Taufe
    wird unsichtbar gespendet, welche nicht die Verachtung der Religion, sondern die Schranke der Not ausschließt«. Schlage auch das Buch des seligen Ambrosius De obitu Valentiniani auf, der dasselbe behauptet.“

    Auch Innozenz III. schreibt im Jahr 1206 in einem Brief an den Bischof von Metz:

    „Du hast Uns durch Dein Schreiben wohlweislich mitgeteilt, daß ein in Todesgefahr befindlicher Jude, da er nur unter Juden lebte, sich selbst in Wasser getaucht und dabei gesagt hat: »Ich taufe mich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes«. Nun fragst Du aber, ob ebendieser Jude, der in der Frömmigkeit des christlichen Glaubens verharrt, getauft werden müsse.
    Wir aber antworten Deiner Brüderlichkeit folgendermaßen: da zwischen dem Taufenden und dem Getauften ein Unterschied sein muß, wie aus den Worten des Herrn klar geschlossen wird, der den Aposteln sagt: »Tauft im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes« [Mt 28,19], muß der erwähnte Jude nochmals von einem anderen getauft werden, damit gezeigt wird, daß ein anderer ist, der getauft wird, und ein anderer, der tauft …
    Trotzdem wäre er, wenn er sogleich dahingeschieden wäre, sofort zur Heimat enteilt wegen seines Glaubens an das Sakrament, wenn auch nicht wegen des Sakramentes des Glaubens.“

    – LG, Crescentia.

    Gefällt mir

  2. Dank für diesen Beitrag. Ich kann nicht glauben, dass Gott so ein Erbsenzähler ist, wegen einer geringfügig falschen, ehrlich gemeinten Taufformel zeitliches und ewiges Leben schlichtweg abzulehnen. Es lebe Virgil!

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s